Bei einer Rückmeldung, die mir ein Freund die Tage zu meinen Texten gab, musste ich an die Werbung von Fishermans Friend denken: „Sind sie zu stark, bist du zu schwach.“

Ich finde es mühsam, hier noch einmal vom wesentlichen Thema, das da bedingungsloses Glück und Selbstbefreiung heißt, abzuschwenken.

Da meine Texte aber ein wichtiges Werkzeug meiner Arbeit sind, scheint es mir doch wesentlich, noch einmal klar zu machen, wie es sich mit meinen Texten, meinem Schreiben und deinem Lesen verhält.

Wenn es also sein muss, dann gehen wir diesmal bis zum Ende der Angelegenheit und räumen mit allen Missverständnissen ein für allemal auf!

Zur Einstimmung und Vorbereitung

Ich räume ein, dass ich mit diesen Ausführungen weit über das hinaus gehe, was der oben genannte Freund mit seiner Rückmeldung bei mir ausgelöst hat.

Die Wucht und Heftigkeit dieser Ausführungen ist vielmehr der allgemeinen Ignoranz, Oberflächlichkeit und Verweigerung geschuldet, die ich mir seit Jahren im Zusammenhang mit meinen Texten und anderen Formen meiner digitalen Kommunikation zumute.

Ich habe mich über lange Zeit um meine wesentliche Angelegenheiten herum gedrückt, intellektuelle Nebelkerzen abgefackelt und Dinge komplizierter gemacht, als sie in Wirklichkeit sind. Darum war ein ernst zu nehmender Anteil der ursprünglichen Kritik, Verweigerung und Ignoranz durchaus berechtigt.

Wenn ich hier dennoch mit großem Engagement ausführe, wie meine Texte zu verstehen sind, dann ist das einerseits meiner persönlichen Verärgerung über mich selbst geschuldet. Andererseits möchte ich mich wortreich über drei existenzielle Übel echauffieren, als da wären:

Faulheit, Feigheit, Desinteresse

Rückmeldung oder Selbstoffenbarung?

Manch einer glaubt tatsächlich, er würde mir mit seiner Rückmeldung etwas über meine Texte verraten und weniger über seine eigene Grundhaltung und Verfassung.

Aber eine Rückmeldung enthält immer beides: Selbstoffenbarung und Sachinformation. Allzu häufig dominiert die abwehrende Selbstoffenbarung, welche der Feedbackgeber selbst kaum als solche erkennt.

Ich sage immer, dass ich sehr gut mit offener und differenzierter Kritik umgehen kann. Ehrlich gesagt, ist diese Form der Rückmeldung aber äußerst selten.

Die meisten Menschen glauben, ihre oberflächlichen (Abwehr)Reaktionen auf die unbequemen und anspruchsvollen Phänomene dieser Welt seien tatsächlich angemessen.

Und sie handeln ihre Wertungen, ihre Sicht der Dinge und ihre Vorurteile gerne mal als allgemein gültige Wahrheiten.

Differenzierte Kritik buchstabiert

Weil ich unter differenzierter Kritik etwas anderes verstehe, möchte ich hier ausführlich formulieren, was ich mit meiner Bitte um offene und differenzierte Kritik tatsächlich meine:

Bist du bereit, Zeit und Energie zu investieren, um konstruktive Vorschläge aus deiner kritischen Sicht auf mich und mein Handeln abzuleiten? Bist du bereit, diese konstruktiven Vorschläge mit mit zu teilen?

Genial! Dann freue ich mich sehr darüber. Ich werde diese Rückmeldungen als deine Sicht der Dinge und deine kreativen Verbesserungsvorschläge ernst nehmen. Und ich werde mir herauspicken, was mir sinnvoll, hilfreich und nützlich erscheint.

Wenn du aber faul, feige und unreflektiert deine oberflächliche Reaktion auf meine Impulse auf dem direktesten Weg wieder loswerden willst, dann behalte sie besser.

Du musst meine Texte verdauen und integrieren, wenn diese ihre Wirkung entfalten sollen. Deine Verwirrung und Abwehr sind ein wichtiger Teil dessen, was du nutzen kannst, um deine Glücksverschleierungs- und Selbstsabotage-Taktiken zu entlarven.

Selbstbefreiung statt Schlaumeierei

Ich bin mir vollkommen im Klaren darüber, dass viele Menschen eindeutige, klare, direkte und oberflächlich nützliche Texte schätzen.

Struktur, logischer Aufbau, verständliche Argumentation und brauchbar einfach abzuleitende Schlüsse fürs eigene Denken und Handeln – all das bedient das Interesse der meisten Leser.

Aber mir geht es nicht darum, dir Inhalte anzubieten, die du wohl geordnetet in deine Gedankenlandschaft einordnen kannst, sondern darum, diese Gedankenlandschaft hilfreich und befreiend auseinanderzunehmen.

In diesem Sinne dürfen und sollen dich meine Texte in eine logische und mentale Bredouille bringen. Ich lege meine Texte darauf an, dass sie dich verwirren und dir keine eindeutige Reaktion und keinen eindeutigen Ausweg anbieten.

Deine emotionale Reaktion auf das hier Dargebotene gehört dir ganz allein. Spar dir die Mühe, diese mit plumpen Rückmeldungen abwehren und entsorgen zu wollen. Da erscheint es mir sinnvoller, dass du mit diesen Reaktionen zu einem Coaching oder einer Veranstaltung kommst, damit wir gemeinsam herausfinden können, was da eigentlich bei dir los ist.

Dann würdest du mit deinen Projektionen bei dir bleiben und das Wesentliche im Blick behalten:

  • deine ängstlichen Ausweich- und Vermeidungsbewegungen,
  • deine Zweckorientierung und neo-liberalistische Nützlichkeitsdenke sowie
  • deine Tendenz, die intensive und befreiende Auseinandersetzung mit dir selbst zu meiden.

Die Erkundung dessen, was durch meine Texte an komplexem Geschehen in dir ausgelöst wird, ist deine Aufgabe. Dein innerer Druck, deine innere Spannung und deine Abwehrreaktionen sind ein wichtiger Teil deiner schöpferischen Kraft. Am besten schaust du gleich hier, was du Sinnvolles und Produktives damit  anstellen kannst.

Lass uns prüfen, worauf wir uns einlassen

Was teilt jemand mit, wenn er unbestimmt sagt, „Deine Texte sind zu kompliziert. Das schreckt ab.“?

  • Er sagt: „Deine Texte sind mir aus Gründen zu kompliziert, die ich nicht beim Namen nennen möchte.“
  • Oder: „Deine Texte sind mir aus Gründen zu kompliziert, die ich mir selbst nicht eingestehen möchte.“
  • Oder: „Deine Texte sind mir aus Gründen zu kompliziert, die ich nicht nenne, weil ich jetzt keine Zeit für eine differenzierte Rückmeldung habe und du es mir außerdem nicht Wert bist.“

Ohne jeden Zynismus: Ich finde all dies sind wundervolle Gründe. Die Frage, die sich mir allerdings stellt:

Warum dann überhaupt so tun, als wolle man etwas Hilfreiches zurückmelden und den anderen damit unterstützen?

Gewollte Abschreckung?

Ich lerne noch mehr: Der Feedback-Geber (also derjenige, der die Rückmeldung gibt), möchte nicht abgeschreckt werden oder er glaubt, es sei keine gute Idee, abzuschrecken.

Hm, soll ich es denn wie die Marketingabteilungen in den Unternehmen halten, die alles tun, um dir ihren Dreck anzudrehen? Will ich dir denn unnützen, oberflächlichen Tand andrehen und muss deswegen alles mögliche tun, um dich über diese Tatsache hinwegzutäuschen?

Eher im Gegenteil: Vielleicht tue ich ganz gut daran, dir ein bisschen Arbeit mit meinen Texten abzuverlangen. Nimm es als fortgesetzte Eignungsprüfung für das, was ich dir hier über und jenseits der Texte anbiete!

Denn so viel ist sicher: Wenn du zu faul oder zu feige bist, dich mit dem auseinanderzusetzen, was ich dir in meinen Texten anbiete, dann ist das existenzielle Tänzchen, das ich dir insgesamt anzubieten habe, nichts für dich. Und das ist vollkommen okay so.

Dann tust du besser daran, von dannen zu ziehen und etwas anderes mit deiner Zeit und Energie zu machen.

Denn selbst, wenn ich darum bemüht bin, direkte, lustige und zeitgemäße Wege zu bedingungslosem Glück und fundamentaler Gelassenheit anzubieten, musst du deine Sicht der Welt dabei mehrfach nach links und rechts wenden.

Und wenn dich meine Texte bereits abschrecken, dann ist der Rest ganz sicher nichts für dich.

Der Ich-verstehs-nicht-Bluff

Intellektuelle Überforderung wird von mancher Seite im Zusammenhang mit meinen Texten kritisch angeführt. Dieser Form der Kritik räume ich durchaus eine Berechtigung ein. Allerdings gibt es auch Menschen, die diese Ausflucht für sich in Anspruch nehmen, obwohl sie ihre intellektuelle Beschränkung kaum glaubwürdig beweisen können.

Soviel sei hierzu gesagt: Schreibenderweise kann ich keine Abhilfe schaffen. Meine Texte bewegen sich auf einem gewissen sprachlichen Niveau. Mit einem überschaubaren Aufwand kann ich meine Texte etwas vereinfachen, aber ich stoße dabei an natürliche Grenzen.

Jedem, der meine Texte zu anspruchsvoll findet, empfehle ich den direkten Kontakt mit mir im Coaching, bei Veranstaltungen oder bei anderen Gelegenheiten.

Außerhalb des Schriftlichen weiß ich mich erfahrungsgemäß auf sehr viele Menschen verständlich und anschlussfähig einzustellen.

Wessen Desinteresse?

Widmen wir uns noch jenen Lesern, die mir durch die Blume zurückmelden, ich würde mich nicht für meine Leser interessieren. Dabei handelt es sich um Menschen, die mir unterstellen, ich würde mir nicht genug Mühe mit meinen Texten geben.

  • Sie tun damit gerade so, als wüssten sie, wie viel Arbeit ich in das Verfassen meiner Texte stecke und wie ernst ich es damit meine.
  • Sie tun so, als wüssten sie, wie groß die Spannung zwischen dem ist, was ich an Lebensstil und Lebensweise propagiere, und der dumpfen Art und Weise, wie die meisten Menschen durch ihre Tage trotten.
  • Und damit tun sie so, als wären sie zu der Einschätzung berechtigt und befähigt, dass dieser immense Abgrund auf einfache Weise schriftlich, textlich oder sonstwie zu überbrücken sei.

Aber sie sagen natürlich noch einmal durch die Blume etwas über sich selbst. Sie projizieren, übertragen also im Geiste ihr eigenes Desinteresse auf mich.

  • Auf einmal sind es nicht mehr sie selbst, die sich der unbequemen, aber äußerst verlockenden Einladung verweigern, ihr eigenes Leben befreiend unter die Lupe zu nehmen.
  • Auf einmal sind es nicht mehr sie selbst, die sich dieser Einladung ängstlich und desinteressiert entziehen, weil sie die geahnte innere Revolution verhindern und vermeiden wollen, nach der sie sich in der Tiefe so sehr sehnen.
  • Nein, ich bin es auf einmal, der sich seinen Lesern verweigert, weil er sich selbst sabotieren und unverstanden bleiben möchte oder aus sonst einem unverständlichen und absurden Grund.

Sag mal: Hältst du mich eigentlich für total bescheuert?

Oberflächliche Anliegen

Mir liegt sehr daran, deinen Interessen gerecht zu werden. Allerdings lege ich meinen Schwerpunkt dabei auf deine tiefen, dir selbst häufig verborgenen Anliegen.

Dabei finden deine oberflächlichen Interessen manchmal wenig Beachtung. Und das ist gut so. Oft dienen diese deinem fortgesetzten Selbstbetrug, deiner Selbst- und Lebensflucht. Für diese Anliegen findest du an jeder Ecke Unterstützung.

Was deine oberflächlichen Interessen angeht, muss ich mich auf den Bereich des Unterhaltungswertes beschränken. Hier versuche ich mich in kleinen humoristischen Eskapaden – häufig selbst-ironischer Natur.

Meist gebe ich eine Prise Sprachwitz und Freude an der gehobenen oder komplexen Formulierung in meine Textgerichte.

Es könnte allerdings sein, dass Letzeres vor allem meinem eigenen Vergnügen dient. Aber das scheint mir legitim, denn irgendwie muss ich mir die Zeit, die ich alleine vor dem Rechner verbringe, schließlich versüßen.

Tiefergehende Anliegen

Aber wie gesagt: In der Hauptsache kümmere ich mit meinen Texten um tiefer gehende Anliegen, die mit deinen auf Unterhaltung, Information oder Händchenhalten fixierten, im Konflikt stehen könnten.

Darum geht es mir in erster Linie:

  1. Ich möchte dich so direkt wie möglich in die Mitte führen. In diesem Sinne erlaube ich mir, deine Interessen und Vorlieben zu frustrieren und darüber hinaus, deine Sehnsucht nach logischer Schlüssigkeit und nach Verständnis förderlicher Struktur abzuwatschen.
  2. Die Kernaussagen will und muss ich oft in ihrer Vieldeutigkeit transportieren. Damit stelle ich dir diese zur weiteren Erkundung zur Verfügung. Ich denke, erschließe und erkunde zwar ansatzweise für dich, aber den größten Teil der Arbeit musst du selbst erledigen.
  3. Ich mache dir zwischen den Zeilen klar, dass die Antworten auf deine existenziellen Fragen nicht in meinen Texten liegen. Die Antworten und wesentlichen Erkenntnisse, die mit bedingungslosem Glück, Gelassenheit und Befreiung unserer kreativen Kraft zu tun haben, liegen außerhalb des Verbalen und Digitalen. Um zu diesen „Antworten“ durchzudringen, musst du dich selbst, dein Denken und deine Art in die Welt zu blicken überprüfen und auseinandernehmen.

Wenn du Interesse hast, dann bleib …

Das ist es, was ich mit meinen Texten bei dir anregen will. Wenn du daran Interesse hast, dann höre auf herumzujammern und stecke dir die Anmaßung, du könntest mir beibringen, was ich zu tun habe, irgendwohin.

  • Mach die Arbeit, die du zu erledigen hast.
  • Stelle dich und deine Sicht der Dinge infrage.
  • Nimm deine Projektionen als das was sie sind: Eine wundervolle Möglichkeit, auf all das aufmerksam zu werden, das du erst durch den Umweg über die anderen bei dir selbst als Baustelle erkennen kannst.

Wenn du faul, feige oder desinteressiert bist, dann ist das perfekt. Mach, was du zu tun hast und höre auf, hier genervt herumzuhängen. Und wenn du doch aus irgendeinem Grund hier herumhängen willst, dann gehe irgendjemand anderem mit deiner Klugscheißerei und deinem oberflächlichen Getändel auf den Sack.

Ich gelobe im Gegenzug feierlich, mich hier fortan auf meine wesentlichen Anliegen zu konzentrieren, die intellektuellen und sonstigen Nebelkerzen zu verstauen und die Dinge so einfach wie möglich zu machen, aber nicht einfacher.

(Danke, Herr Einstein!)

Bildquelle: Calum MacAulay | Unsplash

Author Lazy Moe

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