In Reaktion auf einen Beitrag von Oliver Gassner auf Facebook: Zum Beitrag

Ich finde, das geht in eine gute Richtung, Oliver. Polemik ist ein brauchbares Werkzeug in der Not. Eine alternative Rückmeldung: „Schon mal daran gedacht Rapper zu werden?“

Variationen wiederholen

Viele der geerbten Versatzstücke schwarzer Pädagogik, die über meine Großeltern auf mich gekommen sind, spreche ich auch gegenüber meinen Kindern aus. Auch kleine hasserfüllter Attacken wider ihren Eigenwillen. Allerdings in Humor geframed – als kleines Comedy-Programm, mit dem ich mich einerseits von meinen Großeltern und dem Drang zur Wiederholung des Erfahren distanziere, während ich es doch zulasse und auf eine transformierte Weise wiederhole.

Es ist gleichsam eine kleine Geschichtsstunde in Sachen deutsch-preussischer Pädagogik, die ich mir und meinen Kindern erteile. Manchmal mache ich nicht deutlich genug, dass es Humor ist und das eine oder andere Kind weint doch. Dann muss ich mich ganz reumütig und sanft wieder anpirschen.

Ressourcenorientierung für Fortgeschrittene

Im Grunde glaube ich, dass es viele Menschen gibt, die ihre Phantasie, ihr Sprachtalent, ihre mutige Bereitschaft, unbequem zu sein, aber auch ihre geerbten Ideen über die Welt und kommunikativen Muster noch produktiver nutzen könnten. Wir sehen das, aber von unserem höheren, oft überhöhten Standpunkt aus, stellen wir unser Bein raus, damit sie fallen, halten eine flache Hand hin, damit sie dagegen laufen, oder schießen Salven politischer Correctness, um sie aus ihrem deutsch-ritterlichen Sattel zu heben.

Dass meine Ressourcen gesehen werden, egal in welcher Form und in welch schrägem Kontext sie auftauchen, das wünsche ich mir von meinen Mitmenschen, wenn ich mal wieder über die Stränge schlage. Und ein paar differenzierte Rückmeldungen, was ich mit meinen fehlgeleiteten Impulsen und Kompetenzen noch anfangen könnte.

Gemeinsam Windmühlen bauen

Fronten öffnen und stabilisieren kann jeder. Derjenige, der als erster in der Lage ist, sich aus seinen primitiven Reaktionsmustern zu lösen, mögen diese kultiviert oder unkultiviert sein, ist verpflichtet, die Mauern mit Humor, am besten Selbstironie einzureißen. Im Grunde tut es jede Form, wertschätzender Selbstentlarvung.

Für die aus den Mauern befreiten Steine gibt es bekanntlich vielfältig Einsatzfelder. Steinigen zum Beispiel. Oder weniger gezielt: andere bewerfen. Oder aber einen Ofen bauen und Brot darin backen für ein gemeinsames Essen. Oder Windmühlen. Ich denke das Prinzip wird klar.

Somit komme ich zu einer neutestamentlichen Variante: „Wer von euch voller Schuld ist, der klaue den ersten Stein.“ Aus seiner eigenen Festung wohlgemerkt.

Meine Festung hat neuerdings Fenster. Und ich genieße die Aussicht.

Ach, was bin ich toll und ressourcen-orientiert …

Author Lazy Moe

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