Maik Fiedermann hat heute morgen einen Beitrag zum Thema „Smalltalk“ auf Facebook gepostet: Zum Beitrag. Tausend Dank dafür, denn er hat mich zu folgenden Gedanken inspiriert.

Ich habe mich lange schrecklich unwohl in Smalltalk- und Networking-Situationen gefühlt. Einerseits, fühlte ich mich zerrissen zwischen tausend konkurrierendenen inneren Anliegen, andererseits wusste ich gar nicht, was ich in der Situation ganz allgemein und in den Begegnungen konkret suchte. Darüber hinaus, fühlte ich mich mit mir selbst so unwohl, dass ich gar kein Gefühl für Resonanz und Dissonanz in der Begegnung hatte. Das hat sich mittlerweile verändert.

Die These und das Leitmotiv dieses Beitrags:

Mit dem richtigen Verständnis können wir von hoher Anspannung zu großer Leichtigkeit in Smalltalk-Situationen kommen. Manchmal müssen wir uns dafür beherzt ganz anderen Problemen zuwenden.

Smalltalk als Zwischenschritt

Ich empfinde Smalltalk als wichtige Stufe auf einer angenehm beleuchteten Treppe, die hinunter in intensivere Begegnungen führt. Das kann, metaphorisch gesprochen, die Treppe sein, die vom Hotel hinunter zum Strand führt, oder eine Treppe hinunter zum Markt, oder in der Post-Grey-Epoche hinunter in düster ausstaffierte, erotische Katakomben. Das hängt vom Kontext und den Anliegen der Beteiligten ab.

Die Stufen, die hinunter in die angenehme Tiefe führen, sehen für mich so aus:

  1. Aus der Distanz non-verbal auf Resonanz checken.
  2. Bei Resonanz eine Begrüßung wagen.
  3. Bei Resonanz Smalltalken.
  4. Bei Resonanz zielgerichtet oder offen tiefer in eine bereichernde Begegnung gehen.

Was ich meinem Gegenüber in Smalltalk-Situationen implizit sage. Aufgeschlüsselt nach den vier Ebenen nach Schultz-von-Thun:

  • Die Beziehung: Du bist für mich ein interessanter, kompetenter und inspirierender Mensch.
  • Der Appell: Ich möchte etwas über dich erfahren, durch die Art wie du sprichst und weniger durch das, worüber du sprichst.
  • Die Selbstoffenbarung: In meinem Leben gibt es Leichtigkeit und Freude, die ich gerne mit dir teile.
  • Die Sache: Nur wichtig, bezüglich der Themen, die ich weglassen sollte. Siehe hierzu den von Maik empfohlenen Artikel.

Eine wichtiges Leitmotiv, das mich mit Leichtigkeit in diesen Situationen trägt und mich von mir und meinen vielen gefühlten Defiziten wegführt ist eine Frage, die ich mir stelle:

„Was kann ich hier und jetzt zu dem beitragen, was dir wirklich wichtig ist?“

Zwei mögliche Richtungen ausgehend von der Smalltalk-Stufe

Nach dem intensiven Resonanz-Test aka Smalltalk gilt es, eine Entscheidung zu treffen und wieder in Bewegung zu kommen. Details hierzu noch einmal im empfohlenen Artikel.

Wer hätte es gedacht? Zwei mögliche Bewegungsrichtungen bieten sich an:

  1. Lass uns tiefer hinunter steigen
    Bei wechselseitiger Resonanz auf persönlicher und möglicherweise inhaltlicher Ebene entsteht der Impuls, das Gespräch zu vertiefen ganz natürlich. Je nach Situation folge ich diesem Impuls sofort oder später.
  2. Sorry, ich möchte gerne wieder nach oben
    Bei mindestens einseitiger Dissonanz auf persönlicher Ebene verabschiede ich mich wertschätzend. In einer Networking-Situation manchmal mit einem Verweis auf Menschen, die möglicherweise besser „passen“.

An guten und hellen Tagen nehme ich das Negative, das ich beim anderen wahrzunehmen glaube, als Spiegel und frage mich: Was gibt es da für mich zu tun? An weniger hellen Tagen … , ach, darüber reden wir jetzt nicht … arrrrgghh, schütttttelll, grummmmmmelllll.

Die Treppe freihalten

Smalltalk um des Smalltalks willen, oder noch schlimmer, unentschlossen in einer dissonanten Begegnung hängen bleiben, empfinde ich als Verrat an den tieferen Motiven des anderen und meiner selbst. Ich stand viel auf der Treppe herum und habe den Durchgang verstopft für jene, die rauf oder runter wollten.

Meine Interpretation heute: Ich hatte mich nicht ausführlich genug mit der Funktion des Smalltalks befasst. Aber noch schlimmer, ich bin mit mir selbst, meinem Gefühl für das Zwischenmenschliche und den Bedürfnissen des anderen achtlos umgegangen.

Mit diesem hier beschriebenen Verständnis von Smalltalk als intensiver, aber risikofreier Resonanztest fühle ich mich viel wohler. Jetzt kann ich gelassener in Smalltalk-Situationen gehen, um von dort aus tiefer, manchmal zielgerichtet die Begegnung und den Austausch zu vertiefen.

Wichtig für mich in beruflichen und anderen zielorientierten Kontexten: Kontinuierlich klären, welche Ziele wesentlich für mich sind und in welche ungefähre Richtung ich mich als nächstes bewegen möchte.

Wenn ich das nicht klar habe, mir das Gespür für Resonanz und Dissonanz im Zwischenmenschlichen abgeht oder ich darüber hinweg rumple, dann gibt es Probleme, die mit der Smalltalk-Situation nur ganz entfernt zu tun haben. Verwaiste oder vernachlässigte Probleme, mit denen ich mich behutsam, aber eingehend und damit produktiv auseinandersetzen sollte.

Wenn heilsam ein bisschen Blut spritzt

In diesem aktiven, beherzten Umgang mit Problemen übe ich mich aktuell intensiv. Interessanterweise sind es gerade jene Probleme, denen ich bisher immer ausweichen wollte und die ich auf die lange Bank geschoben habe, die sich jetzt als quietschende Türen zu Gelassenheit und Erfolg erweisen. Wie zum Beispiel eine eingehende, orgiastische über dreieinhalb Monate sich hinziehende (ja, gezogen wurde auch …) Zahn- und Zahnfleischbehandlung, die hoffentlich ihren Höhepunkt eben, in einer blutigen Paradontitis-Behandlung fand.

Das ist schmerzhaft und unbequem. Aber in kleinen Schritten mit den richtigen Partnern (Danke an meine Zahnärztin Elena Spasova-Reinhardt, die ich gerne weiterempfehle) ist es wirklich machbar. Und trotz des eingangs Schmerzhaften und Unbequemen führt es mich direkt in ein beschwingteres, leichteres und gesünderes Leben.

Und weil sowohl der Prozess als auch die Ergebnisse dieses neuen Umgangs mit Problemen mein Leben so viel leichter, beschwingter und lebenswerter machen, möchte ich herausfinden, ob es anderen damit genauso geht. Das ist der Grund für meine aktuelle Kampagne: Probleme gelassen nutzen.

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Author Lazy Moe

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