
- Manchmal fühle ich einen leichten Schwindel im System dieser Tage.
- Ich schaue auf die vielen Videos auf YouTube, die ich poste.
- Die vielen Mixes auf Mixcloud.
Diese ganze Wucht und Lebendigkeit. Und mache an der Oberfläche ähnliche Erfahrungen wie früher: wenig bis keine Resonanz.
Kein Boden unter den Füßen
Früher hat mir das den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich bin gefühlt ins Unendliche gefallen. Gedriftet durch ein Vakuum.
Ich wusste dann nicht mehr, wo oben und unten ist. Was, wo hin gehört. Wer ich bin. Was ich will. Wo sich die anderen in Bezug zu mir befinden.
Ich war die wandelnde Ohnmacht. Die fleischgewordene Frustration. Die verzettelte Verzweiflung.
Aber der Schwindel, den ich fühle, der hat nicht mehr mit solchen Gefühlen zu tun. Mit diesen alten Verfassungen, in denen ich so lange gefangen war. Nein, der Schwindel kommt daher, dass ich mich mittlerweile ganz anders fühle.
Als ich begonnen habe, „Das mörderische Feedback“ zu schreiben, da zitterte ich noch über einem unendlich tiefen Abgrund. Als ich mit dem Text fertig war, hatte ich unendlich auf 1.50 m reduziert.
Und die Nachwirkungen dieser tief reichenden Arbeit haben auch das letzte gefühlte Schreibloch unter meinen Füßen gefüllt. Durchaus gewollt verstopft. Entgegen der Toilette, die sich den Magen verdorben hatte. Da war es deutlich ungewollter. Und dann doch willkommen.
Jetzt schreibe ich endlich bodenständig. Auf einem Boden, auf dem sich bauen, tanzen und in Gedanken knutschen lässt.
Dranbleiben in der „Einsamkeit“
Jetzt schaue ich auf all das, was ich tue, darauf, wie sich „die Welt“ in großen Teilen (nicht) dazu verhält und ich bin vollkommen ruhig. Gelassen. Ich fühl mich pudelwohl in meiner Haut.
Und mit diesem Schwindel dämmert mir langsam, wie Menschen
- Formate,
- Unternehmen und
- ihre Kunst
über Jahre entwickeln können, bevor daraus etwas wird, das auch Resonanz im Außen findet.
Früher habe ich mich oft gefragt, wie jemand wie Gary Vee zwei Jahre lang „Wine Library TV“ machen konnte. Oder Ari mit „AriAtHome“. Beide in New York.
Ohne große Traction. Ohne sichtbaren Durchbruch. Ohne das Gefühl, dass „es jetzt endlich funktioniert”.
Alleinsein ist schön
Jetzt merke ich: Das geht eigentlich leicht, wenn ich bei mir bin. Es reicht, immer wieder zu mir zurückzukehren. Jetzt, wo ich einen Hafen kenne und diesen regelmäßig anlaufe, jetzt kann ich mich auch auf die echten Expeditionen und logistischen Projekte einlassen.
Wenn die Dinge nicht permanent mit existenziellen Hoffnungen, Druck und Zukunftsphantasien aufgeladen werden. Wenn die Welt kein weiter Ozean mehr ist. Und die Rettung ein Hafen da draußen, am anderen Ende unendlicher Weite…
Wenn ich mich nicht dauernd frage: Gefällt das den Leuten? Was sagt meine Schwester dazu? Mein Schwager? Meine Frau?
Gut, hab ja schon ’ne Weile keine mehr.
- Was denken meine Töchter darüber?
- Deren Mütter?
- Meine Mutter?
Und nicht, weil ich mir das Fragen generell abgewöhne oder mich generell von Menschen abwende. Sondern weil ich ihnen ganz entspannt ihre Sicht, ihren Geschmack, ihre Distanz zugestehen kann.
Weil ich mich an den Gedanken gewöhne, dass die Welt sich gar nicht um mich herum dreht oder drehen muss.
Das waren die echten Bedürfnisse des Baby-Lazy. Als wichtige Menschen wichtigeres zu tun hatten, als den kleinen Lazy angemessen zu betütteln. Und der kleine Lazy sich total verzweifelt und im Stich gelassen fühlte.
Jetzt dürfen die Menschen wichtigeres und anders zu tun haben. Und mich links liegen lassen.
- Weil ich mich im „Links“ der anderen trotzdem gut versorgt und geborgen fühle.
- Weil ich mit großer Leichtigkeit meine Mitte finden und halten kann.
- Weil ich jetzt erwachsen dem folgen kann, was sich stimmig anfühlt.
Geborgen im eigenen Flow
Dann brauche ich die Bestätigung von bestimmten Leuten im Außen viel weniger. Vielleicht auch gar nicht.
Ich kann mich auf mich verlassen. Oder präziser: aufs Leben.
Wie ich in einem meiner Songs singe: „Wir machen uns die Welt gern so, wie sie uns gefällt“ (klar an Pipi Langstrumpf angelehnt). „Und wie sie ist, gefällt sie uns, verspricht uns, was sie hält.“
Und dann darf
- eine Radioshow einfach ein Abend sein
- eine Feldnotiz einfach ein Widerhall des Tages
- und eineinhalb Stunden mit einem Team ein Moment, in dem ein paar Dinge möglicherweise in Bewegung kommen.
Dann entsteht plötzlich etwas Neues. Eine neue Haltung. Und mit der neuen Haltung ein ziemlich schönes Lebensgefühl.
Die Zeit, bis sich mehr Menschen einfinden, die in Resonanz gehen können und wollen, fühlt sich nicht mehr an wie eine Durststrecke vor dem eigentlichen Leben.
Sondern wie das Leben selbst. Es findet schon statt. Vor allem auch deswegen, weil ich mit meiner ganzen Wahrheit und Lebendigkeit darin vorkomme.
Ein lebendiger Puls
Und genau dadurch können die Dinge zum Leben erwachen. Natürlich gedeihen. Beizeiten Früchte tragen.
- Nicht als Hustle, als Kampf ums Überleben, an den Straßenecken unserer inneren Bronx. Auch wenn Gary Vaynerchuk diese Haltung später als vermeintlich brauchbaren Ansatz gepredigt hat.
- Nicht als Content-Maschine – wie ein E-Book in meiner Kindle-App suggeriert.
- Nicht als tägliches Anstrampeln gegen den Sog der alten, inneren Skripte, die mit Wertlosigkeit und Bedeutungslosigkeit hantieren. Skripte, die suggerieren, wir hätten keinen Platz in der Welt, während wir mittendrin stehen und tanzen.
Sondern in Kontakt kommen mit dem, was sich stimmig anfühlt. Auf jene Türen vertrauen, die schon leicht offen stehen. Dem folgen, was gerade dran ist.


