In irgendeinem Buch über Unternehmensgründung habe ich vor Jahren gelesen, dass man sich gut überlegen sollte, in welchem Bereich man sich selbständig macht. Mancheiner ist geneigt, irgendeinem Trend zu folgen oder einer Geschäftsidee, die wirklich innovativ und vielversprechend klingt.
Aber, und so sieht die Realität für Gründer nun mal aus, der Weg zum Erfolg oder einfach nur zum Selbsterhalt ist meist steiniger und anspruchsvoller, als sich das der ambitionierte Gründer anfänglich ausmalt.
Erstens kommt es anders …
Blöd, wenn sich dann nach einiger Zeit herausstellt, dass das Thema, Anliegen oder auch die Branche aufgrund oberflächlicher monetärer Hoffnungen gewählt wurde. Dann nämlich, wenn es ans Eingemachte geht, wenn es hart auf hart kommt, braucht der „junge“ Unternehmer außerordentlichen Biss und ebensolche Ausdauer. Diese sind aber schwer zu finden, wenn das unternehmerische Anliegen nicht trägt.
Wenn die großen Herausforderungen kommen, wenn etwas nicht klappt oder der Gründer erkennen muss, dass das ursprüngliche Vorhaben an den Klippen der Realität zerschellt, dann braucht er große innere Stärke und Entschlossenheit, um dran zu bleiben.
Ich schreibe natürlich aus gutem Grund über dieses Thema. Es sollte mittlerweile klar geworden sein, dass ich mich, meine Themen und Geschichten immer wieder ins Spiel bringe. Weniger, weil ich die Geschehnisse in meinem Leben für besonders abenteuerlich und berichtenswert halte und mich selbst in den Status einer Mini-Internet-Berühmtheit hieven möchten. Vielmehr ist es das einzige Anschauungsmaterial, auf das ich direkten Zugriff – quasi aus erster Hand – habe.
Befreiend mit Tabus brechen
In meinem Beitrag Produktiv Trauern, spreche ich offen darüber, dass es für mich die letzten Jahre immer wieder und heute immer noch schwierig ist, mit dem was ich unternehmerisch tue ausreichend Geld zu verdienen, um davon leben zu können.
Das mag daran liegen, dass ich in einer wilden Mischung aus mönchischem Trotz und kindlicher Starrköpfigkeit meine Herzensangelegenheit zu meinem unternehmerischen Handlungsfeld erklärt habe.
Aber was jetzt vermutlich viel wichtiger für mich und für diesen Artikel relevant ist: Die unternehmerischen Hindernisse, von denen ich oben sprach, sind in meinem Fall, vielmehr inneren Ursprungs, denn äußeren.
Mein inneres Hindernis: Es ist schrecklich schwer für mich, mit meiner Ungeduld zurande zu kommen, mit dieser unbändigen Energie, die durch mich in die Welt und Wesentliches in dieser Welt bewirken will.
Ich fühle mich an den kleinen, ungeduldigen Martin erinnert, der jähzornig auf dem Klavier herum hämmerte, weil er das anspruchsvolle Stück nicht sofort spielen konnte. Ich fühle mich an den Martin erinnert, der seine Geschwister gerne als Verbündete und Freunde in seinem Leben gehabt hätte und vergebens um deren Anerkennung und Wohlwollen gekämpft hat.
Virtuos die Selbstbegegnung vermeiden
Meine tiefe, kindliche Enttäuschung über die Welt hat sehr viel mit meiner Ungeduld zu tun. Und weil ich mich enttäuscht und zurückgewiesen fühle, ziehe ich mich immer wieder in meinen mentalen Elfenbeinturm zurück.
Ich habe Strategien entwickelt, die mir erlauben, die Welt noch immer als feindlich und abweisend zu erleben. Ich habe Strategien verinnerlicht, mit denen ich das Risiko erneuter Zurückweisung zu vermeiden glaube.
Die wichtigste Strategie bestand immer darin, engagierte Runden auf meinem mentalen Komplexitätskarussell zu reiten. Die andere, damit gekoppelte Strategie, die ich mit Beginn meiner Selbständigkeit entwickelte, bestand darin, mich mit Positionierung, Marketing und Angeboten immer wieder neu zu erfinden und darzustellen.
Kurzum: Sobald ich mit verlässlicher Vorhersehbarkeit auf mein inneres Hindernis traf – die Angst vor Zurückweisung und Entwertung durch die Welt -, war es vorbei mit Entschlossenheit, Ausdauer und Stehvermögen.
Der große, kleine Martin knickte weg. Sein Mut sank ins Bodenlose. Und das gerade geborene unternehmerische Baby ging mit Bad und Quietscheente über Bord.
Eine Bilderbuchkarriere
Jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, wo ich dieses Ausweichen als solches erkennen kann. Ich bin an dem Punkt angelangt, wo ich die Absurdität und das Ausmaß an verschwendeter Energie deutlich sehen kann.
Und damit bin ich an jenem Punkt angelangt, wo ich mit diesen blöden, alten Gefühlen, Geschichten und Befürchtungen in Kontakt komme und bereit bin, mich diesen zu stellen.
Es ist tragisch-komisch, mich selbst als Bilderbuchbeispiel für eine sich selbst erfüllende Prophezeihung zu entlarven. Meine engagierten Versuche, den Kontakt mit unerwünschten Gefühlen und bedrohlichen Befürchtungen zu meiden, hat über Jahre dazu geführt, dass das Befürchtete eintrat:
- Kaum einer schien mich zu verstehen.
- Keiner schien mich richtig ernst zu nehmen.
- Kaum jemand schien sich für das zu interessieren, was ich anbot und tat.
Armer, kleiner, unverstandener, aber dabei doch so kompetenter und netter Martin. Düdi, düdi, düdi …
Mumm in den Wochen
- Jetzt aber, wo ich damit aufhöre, unternehmerische Strategien zu verfolgen, die an der Oberfläche meiner wesentlichen Anliegen geblieben waren, scheint sich etwas zu ändern.
- Jetzt, wo ich meinen ganzen Mut aufbringe, um ein Angebot zu formulieren, das sich im ersten Moment ziemlich schlecht mit den monumental verbreiteten Lebens- und Glücksentwürfen der Postmoderne verträgt, merke ich, wie ich handelnd dran bleibe.
- Jetzt, wo ich Farbe bekenne, und mich mit einem zutiefst existenziellen, aber auch fulminant lustvollen und lebensfrohen Thema nach draußen wage, bin ich das erste mal bereit, mit meinen gepflegten Tabus zu brechen und die Kinder beim Namen zu nennen.
Es ist ein anspruchsvoller Prozess. Ich stehe auf sehr wackeligen Beinen. Meine Energie will immer wieder in die alten Karussellbahnen zurückkehren und mir wird ein kleines bisschen schwindelig und schlecht, wenn ich daran denke:
- Ein bisschen Strategie.
- Ein bisschen Preismodelle.
- Ein bisschen Zielgruppen.
- Ein bisschen Angebote.
- Ein bisschen Themen.
Bad becomes good
Aber ich bleibe stark und verankere mich tief und fest, achtsam und behutsam in der Gegenwart. Ich bin jetzt hier und stelle mich dem alten Kram, denn er erledigt sich nur von selbst, wenn ich dabei zuschaue.
Die Energie, welche sich in den alten Gefühlen verbirgt, will mit Achtsamkeit, Behutsamkeit und Aufrichtigkeit geschrubbt werden. Und die gefühlte, uralte Destruktivität will verstanden, gedeutet und eingeordnet werden.
Die Energie, die ich aus düsteren und schweren Emotionen befreie, ist wie immer reine Lebenskraft. Und der Prozess des Reinigens und Befreiens selbst ist schon ein Glück – wenn auch zuweilen ein forderndes und unbequemes.
Das ist die Arbeit, die ich jetzt zu tue. Und dich daran teilhaben zu lassen, indem ich darüber schreibe, gehört dazu. Und ja, so idealistisch, träumerisch und realitätsfern es klingen mag: Mit dieser Arbeit, diesen Angeboten zu den Themen
- bedingungsloses Glück,
- Befreiung der schöpferischen Kraft und
- inspirierter Verbundenheit
will ich mein Geld verdienen.
Ich bin ein kluger Kopf. Aber in diesem Bereich des Geldverdienens tue ich mich schon lange und mit Ausdauer sehr schwer. Deshalb freue ich mich über deine Ideen, wie ich hier weiter kommen kann, während ich der hier beschriebenen Spur treu bleibe.
Wahrscheinlich kannst du das von außen viel besser sehen als ich von innen.
Mushotoku – Lieben, was ist
Ich kenne die Gründe nicht, warum ich diese ganzen persönlichen Angelegenheiten teile. Ich habe lange darüber nachgedacht. Ich habe mich lange zurückgehalten. Ich habe lange damit gehadert, all das offen zu legen, zu beschreiben und ins Spiel zu werfen.
Mein Kopf, mein innerer Buchhalter und meine Süße sind sicher nicht damit einverstanden. Aber es gibt Dinge, die ein Mann tun muss, auch wenn er sie selbst nicht versteht. Denn wie heißt es so schön im Refrain eines meiner „Songs“:
Kannst du das schon sehn?
There is no problem.
Du und ich hamms scheen.
Auch wenn wir nix verstehn.
Ich habe beschlossen nachzugeben und tue einfach, was dran ist.
Das Leben, du, ich, was wir tun, dieser Augenblick – all das genügt sich selbst.
In all dem entfaltet sich ein Glück, eine Freiheit, eine Leichtigkeit, eine Weite, eine Freude, die jenseits der Gründe, jenseits des Verstehens und der Worte liegen.
Bildquelle: Joschko-Hammermann | Unsplash


