Bei Problemen sehen wir gerne mal rot. Aber bei Zielen und Vorhaben freuen wir uns und sind ganz aufgeregt. Liegt das daran, dass wir glauben, unsere Ziele frei zu wählen und Problemen zum Opfer zu fallen?
Glauben wir wirklich noch an monumentales Glück am Ende des Regenbogens? Glauben wir tatsächlich, Probleme seien das große Übel in unserem Leben, das wir überwinden müssen? Wenn dem so ist, dann sind wir verloren.
Aber, hey, keine Angst, ich bin da, um Sie mit meinem Rettungsanker zu erschlagen. Äh, warte mal, sorry, nein. Ich bin da, um Ihnen einige Überlegungen anzubieten, die Ihnen helfen können, Probleme in ein Segel, äh sorry, einen Segen zu verwandeln.
Unlogisch – auf den ersten Blick
Was mir sicher scheint: Würden wir den Inhalt unserer Lebenskiste mal etwas genauer unter die Lupe nehmen, statt in vertrauten Denk- und Handlungskonventionen unsere Runden zu drehen, dann kämen wir recht schnell zu einer spannenden Erkenntnis:
Ziele sind das gleiche wie Probleme in grün.
Gerne räume ich ein, dass sich die Behauptung, Ziele seien das gleiche wie Probleme in grün oder im Umkehrschluss, Probleme seien das gleiche wie Ziele in rot, nicht sofort als logisch schlüssig zu erkennen gibt. Und ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich der Tragweite dieser Behauptung bewusst sind:
Im Grunde genommen können alle Gedanken, die ich Ihnen unter der Überschrift „Probleme nutzen“ anbiete, zu einer tiefen positiven Veränderung in Ihrem Leben führen.
Denn, schwupps, Sie wissen nicht wie Ihnen geschieht, verschwinden Probleme und Unglück aus Ihrem Leben.
Ein alltägliches Beispiel: Dieser Artikel
Nehmen Sie mich und diesen Artikel als klitzekleines Beispiel: Heute mittag saß ich da und fragte mich, wie ich jemals etwas Brauchbares zu diesem ersten Passus des MANIFESTO PRODUCTIVISTA schreiben sollte.
Jetzt ist es ein Uhr nachts – nichts Ungewöhnliches, denn das ist es einmal alle 24 Stunden. Aber nach einem sehr erfrischenden Kiffer-Film (in alter Cheech & Chong Manier) mit dem genialen James Franco …
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und mit Marc Spielers housig-swingendem „Stepper“ auf den Ohren …
[soundcloud id=’246843232′]
fließt der Text jetzt vollkommen entspannt und leicht aus meinen Fingern.
Was eben noch ein Monster-Problem war, ist jetzt Anlass für einen brutalen Flow. Der allerdings neue Probleme mit sich bringt. Beispielsweise: Wohin mit dem ganzen Text, der sich anschickt einmal mehr einen einzelnen Beitrag aus dem Rahmen zu sprengen ….
Machen wir uns an die Aufklärung des Sachverhalts
Im Manifest schreibe ich im Passus N°01:
„In Krisen ist es sinnvoll und wichtig, nebensächliche Probleme und Fragestellungen aus unserem Bewusstsein zu verbannen.
Aber nach einer überstandenen Notsituation müssen wir uns zeitnah diesen Problemen zuwenden. Wenn wir diese über einen längeren Zeitraum ausblenden, entwickeln sich die ursprünglich handhabbaren Probleme in der Eskalation in echte Bedrohungen, Krisen oder hartnäckige Quälgeister.
Deshalb nehmen wir uns regelmäßig Zeit für eine Probleminventur, um die Probleme in unserem Leben wahrzunehmen und nächste Schritte im Umgang mit diesen zu beschließen.“
Erst einmal klingt es ziemlich schräg so bewusst, direkt und offen mit Problemen umzugehen. Mein Selbstcoaching-Seminar im Mai bewegt sich im Bereich normaler Anmeldezahlen. Mein Kommunikationsseminar kommt in Sachen Anmeldung hingegen langsam an seine Grenzen. Eine Schlussfolgerung zu der wir uns heute in diesem Zusammenhang verleiten ließen:
Die Menschen setzen sich nicht gerne mit sich selbst auseinander.
In meinem Sinne hier:
Wir wollen uns nicht mit unseren Problemen auseinandersetzen.
Aber wie gesagt: Das halte ich für ein großes Missverständnis. Denn, wenn wir über das Wissen um Lösungsorientierung und gelassene Problemnutzung verfügen, dann können wir mit Problemen ganz genau so umgehen, wie mit Aufgaben, Zielen und Projekten.
Aber warte mal … Damit beschäftigt sich ja auch kaum jemand. Was treiben wir eigentlich den ganzen Tag?
So tun als ob ist ein guter Anfang
Aber tun wir einfach mal so, als läge uns etwas an unseren Potentialen, unserem Glück und unserer Gelassenheit. Und tun wir mal so, als wären wir bereit, uns mit unseren Problemen auseinanderzusetzen.
Dann könnten wir uns tatsächlich an eine Inventur machen und die so „katalogisierten“ Probleme fortan als Ausgangsmaterial für unsere Potentialentfaltung nutzen.
Das Witzige an diesem Vorgehen: Wenn wir lange genug so tun, als sei es normal, uns bewusst und nüchtern mit unseren Problemen zu beschäftigen, dann wird diese Auseinandersetzung
- erst zur Normalität,
- dann zu einem Vergnügen und
- schließlich zu einem Segen.
Ganz ohne Pathos und übermenschliche Vorsätze.
Zurück zum Manifest: Im Passus N°01 des Manifests schreibe ich von „Probleminventur“. Das klingt etwas gestochen, aber es geht eigentlich um etwas ganz einfaches:
- Wir versammeln unterschiedliche Problemfetzen und -details unter geeigneten Überschriften wie Übergewicht, Gesundheit, Geldnot, eingeschlafenes Sexleben, Innere Unruhe, Rente, finanzielle Probleme, Ängste, schwierige Kunden(gespräche), Vertrieb, Marketing oder Mitarbeiter.
- Dann sortieren wir diese Überschriften brav nach Eisenhower (Sie wissen schon: A = dringend und wichtig, B = wichtig, C = dringend und der Rest auf Ablage P) oder Covey. Oder noch besser, wir nutzen das achtsame Lustprinzip und beziehen eine Vielfalt an Selbststeuerungs- und Entscheidungsoptionen ein.
- So klären wir, was aktuell dran ist und worum wir uns später kümmern sollten. Alles andere stellen wir für den Augenblick bewusst zurück.
- Was nicht dran ist, schaffen wir zwar aus dem Bannkreis unserer Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, legen es aber zugriffssicher für die spätere Auseinandersetzung ab.
- So machen wir Platz und schaffen eine Situation in der wir uns fokussiert und konzentriert um das Problem kümmern können, das gerade dran ist.
Rituale des Problem-Managements
Ähnlich wie im Projektmanagement brauchen wir auch im Problemmanagement Rituale, die uns ermöglichen, Aufgaben und Anforderungen aus dem Weg zu schaffen (siehe oben), um effektiv und konzentriert an einer konkreten Sachen zu arbeiten.
Gleichsam brauchen wir Rituale, die uns erlauben, uns in kurzen Phasen einen Überblick über alles Anstehende zu verschaffen.
Ein paar Anregungen für Rituale mit denen Sie experimentieren können:
- Einmal im Monat eine Inventur, um alle Problemstellungen einmal zu scannen. Wichtig: Ein Gespür dafür kultivieren, welchen Themen Sie sich zeitnah zuwenden sollten. Diese kommen auf den „Monatsradar“ – im Kopf, auf Papier oder was auch immer für Sie funktioniert.
- Einmal wöchentlich alle Probleme scannen, die Sie auf den Monatsradar gepackt haben oder einen hohen Druck und eine große Dringlichkeit entwickelt haben. Hier treffen Sie Entscheidungen, welchen Problemen Sie sich im Laufe der kommende Woche zuwenden wollen.
- Jeden Tag überfliegen Sie, was Sie auf Ihre Wochen-Agenda gepackt haben. Ihrem Gespür für das, was heute dran ist, folgend, planen Sie konkrete Maßnahmen, die sowohl im Bereich des Handelns als auch im Bereich des Lassens und Herumlungerns liegen können. Denn es ist ein Gerücht, Tun sei immer die beste Antwort auf ein Problem.
Sie merken schon: Ich übersetze nur das, was Sie bereits aus dem Zeit- und Selbstmanagement für den Umgang mit Aufgaben und Zielen kennen, auf den Bereich des Problemmanagements.
Wenn Sie sich darauf ebenso einlassen wie auf die Themen Lösungsorientierung, Potentialentfaltung und Gelassenheitspraxis, dann werden Sie schnell merken, dass es auf sehr beeindruckende und entspannende Weise Sinn macht, so vorzugehen.
Ermutigung zur Problembegegnung
Es fühlt sich vermutlich lästig und frustrierend an, wenn ich Sie einlade und ermutige, Ihre Probleme auf produktive Weise in Ihr Leben zu integrieren. Ich kann das sehr gut verstehen. Mit geht es genauso.
Gleichzeitig, weiß ich nur zu gut, was passiert, wenn ich es nicht tue, und ich meine vertrauten Problemthemen einmal mehr eskalieren lasse.
Und ich bekomme allmählich eine Ahnung, wie sich alles fügt und entfaltet, wenn ich bewusst und entschlossen an den Problemen dran bleibe.
Mir scheint unser Unbehagen hat viel weniger mit den Problemen selbst zu tun, als mit unserer Verweigerung, unserer Ignoranz und einigen komischen Gefühlen und Glaubenssätzen, die ich im Manifest unter N°6 anspreche. Aber darum kümmern wir uns ein anderes mal.
Für heute nur dies:
Ab dem Moment, wo wir offen, direkt und engagiert mit unseren Problemen umgehen, lässt dieses Unbehagen ganz schnell nach. Und damit machen wir einen Siebenmeilen-Stiefel-Schritt in Richtung eines intensiven, produktiven und gelassenen Lebens. Und darum gehts hier doch, oder?


