Worum geht es diesmal?
Wie so oft werde ich in die Niederungen meines ziemlich gewöhnlichen Lebens hinuntersteigen, um mich von dort mühsam und über Umwege ans eigentliche Thema anzupirschen.
Wenn Sie Glück haben, kommen Sie dabei zu neuen Erkenntnissen.
- Das Thema: Strategien, mit denen wir uns wesentliche Ziele vom Leib halten.
- Der Ausblick: Eine alternative Strategie.
In den Niederungen eines dilettantischen Eventmanagers
„Wenige Menschen besuchen öffentliche Vorträge. Menschen gehen ins Kino, lecker Essen, auf Parties, manche ins Theater oder Konzert. Menschen gehen spazieren, einkaufen, Freunde besuchen, Sport treiben oder anderen dabei zuschauen. Aber Vorträge? Unwahrscheinlich.“
Zu diesem Schluss kamen wir gestern Abend. Also um genau zu sein, kam meine Süße zu diesem Schluss. Ich folgte dann als moderner Mann zwar zaghaft, aber doch einigermaßen überzeugt.
Ich hätte diese Negativ-Prognose hart angegriffen (der ganze Tag war schon schrecklich harmonisch verlaufen, da hätte eine Abwechslung vielleicht gut getan), hätte ich vor fast vier Jahren nicht selbst den Beweis geliefert. Ich hatte einen schönen Saal gemietet, mit einem engagierten und zugewandten Freund, viele hübsche Plakate aufgehängt, und auch sonst ein bisschen Werbung gemacht. Das Ergebnis: Ein paar Freunde unter den Zuhörern und wenige Unbekannte, die über Freunde vom Vortrag erfahren hatten. Gemessen an meiner Erwartung ein Desaster. Und dann musste ich noch ganz souverän und gelassen tun. Alptraum, sag ich Ihnen.
Man könnte meinen, meine Süße wolle mich entmutigen angesichts eines aktuellen, ähnlichen Vorhabens: ein öffentlicher Vortrag und Workshop hier in Offenburg in ungefähr fünf Wochen. Ich war auch schon etwas angenervt, obwohl das sonst nicht so meine Art ist, hüstl.
Aber sie machte mir schnell klar, dass sie mir einerseits eine Neuinterpretation dessen anbieten wollte, was vor vier Jahren passiert war. Ich hatte vielleicht weniger falsch gemacht, als ich bis jetzt dachte, sondern war vielmehr Opfer meiner Fehleinschätzung geworden. Und sie wollte mich zu realistischen Erwartungen bezüglich des neuen Vorhabens anstiften.
Selbstmitleid eines Möchtegern VIPs
Es ist schwer zu ertragen und irgendwie ungerecht, heul, aber ich bin nicht Rüdiger Nehberg, kein Dalai Lama, kein Lothar Seiwert, keine Anke Engelke und kein Huber Bua. Ich bin der leidlich rasierte buddhistische Klugscheißer aus der Ortenau, der eigentlich nur eines will: Menschen Lust auf gelassene Potentialentfaltung machen.
Kein Glamour. Keine weltverrückenden Erkenntnisse. Keine übermenschlichen Taten. Ich habe nichts anzubieten, außer meinem Thema, meinen sprachlichen Eskapaden und meinen vernichtenden Betrachtungen über mich selbst. Wer würde auf die Idee kommen, dafür kostbare Zeit, und, Gott bewahre, Geld zu opfern?
Bin ich eine Comedy-Nummer für den lieben Gott?
Manche Einladungen des Lebens, manche Ziele, die ich mir setze, manches, das ich mir von Herzen (oder vom Bankkonto her) wünsche, liegt im Bereich des Unbekannten und gefühlt Unmöglichen.
Wie kann es sein, dass ich Träume, Wünsche und Ziele in mir trage, deren Verwirklichung, auch nach ersten Erfahrungen, vollkommen unmöglich scheinen? Will mich der liebe Gott verarschen? Bin ich das Comedy-Programm für einen gelangweilten, weißhaarigen, kosmopolitischen Hipster?
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber angesichts solch gefühlt absurder Anforderungen mit tausend Unbekannten habe ich ziemlich gemischte Gefühle. Einerseits locken mich Abenteuer, neue Erfahrungen und die möglichen Ergebnisse, die mit einem neuen, riskanten Projekt verbunden sind. Andererseits verunsichert mich das Unbekannte und Unwägbare und lässt mich zurückschrecken. Das Unbekannte lockt. Und das Unbekannte macht Angst.
Meine Strategien, Um Alles beim Alten zu lassen
Im Grunde verfüge ich über drei Standardstrategien im Umgang mit spannenden Vorhaben:
- Kopf in den Sand stecken: Abenteuer? Herausforderung? Wesentliches Ziel? Kenn ick nich!
- Davon träumen und auf morgen verschieben. „Oh, Süße, wenn dann mal …., dann werden wir …. Oh, das wird schön!“
- Übermütig drauflos stürmen und mir blaue Flecken holen. „Pah! Risiko? Wo denn? Ich kann das! Ich … Nein, bütte, bütte… Nicht! Neeeiiiiin! … Bumm! Bamm! Ratsch! Autsch! … Heul. Jaul. Wunden leck …“
1. The Kopf In The Sand Steck Strategy
Der Kopf ist gewöhnlich schnell in Sand gepackt. Der Alltag hält genug dringende und drängende Aufgaben bereit und das Internet alle Formen von Ablenkung. Rein da und schwupps ist der Kopf für Tage und Wochen verschwunden.
Unter den dringenden und drängenden Aufgaben habe ich einige exotische, fast schon perverse Vorlieben:
- Webseite überarbeiten,
- Menschen komisches Kauderwelsch hinknallen und mich dann an den Reaktionen abarbeiten
- Projektpläne als Kunstwerke oder alternativ lyrische Epen entwickeln
Sie werden es nicht glauben, aber bei alldem kann ich mir immer wieder einreden, ich sei mit etwas Sinnvollem befasst. In Wirklichkeit vernichte ich kostbare Lebenszeit, schlage existenzielle Entwicklungseinladungen (aka wesentliche Ziele) aus und färbe die Haare meiner Mitmenschen grau, ohne dass ein chemisches Produkt zur Anwendung käme. Möglicherweise ist das der einzige Zauber, den ich beherrsche …
Was schade ist: Auf diese Art verliere ich immer wieder für längere Zeit meine wesentlichen Ziele aus dem Blick.
Und was schlimm ist: Auf diese Art kultiviere ich meine Standardprobleme, die sich gerne mal zu knackigen Krisen aufschaukeln. Hier wäre mal wieder ein Taschentuch angesagt … Heul …
2. La Boum oder Dreams are my reality Strategy
Träumen ist eine geniale Art, mir selbst das Gefühl zu geben, ich sei ernsthaft mit meinen wesentlichen Zielen befasst, ohne dass ich mir dabei die Hände schmutzig machen muss. Mich informieren, Bücher lesen und das Internet befragen, sind weitere Maßnahmen, die ich ergreife, um mir vorzugaukeln, ich sei schon eifrig dran meine Ziele zu verfolgen.
Dann gibt es noch die Erweiterung um meine Mitmenschen: Von meinen Träumen, Visionen und Zielen erzählen. Oder besser: Liebe Menschen mit meinen Hoffnungen und Ideen an die Wand tackern, damit sie nicht abhauen können. Die Ohren weich malmen mit Möglichkeiten und möglichen Varianten, Expertenwissen oder doch vielmehr Hypothesen, Wahrscheinlichkeiten und Sachen, die möglicherweise morgen passieren werden oder irgendwann, wahrscheinlich aber gar nicht.
Eine phantastische, im wahrsten Sinne des Wortes, Möglichkeit, nicht nur mein Hirn, sondern auch die Köpfe meiner Liebsten zum Überkochen zu bringen. Mein Körper bleibt leicht euphorisiert in der sicheren Zone, wie ein Halbstarker vor dem Zombie-Gemetzel oder der Erwachsene beim Ausspannen mittels Ego-Shooter. Es tut so gut, mal richtig auf die Kacke zu hauen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen.
Ich wundere mich jeden Tag aufs Neue, das meine Süße bei mir bleibt. Ich hätte schon lange die Flucht ergriffen.
3. The Pamplona oder Eyes wide shut and very kurz rein strategy
Nicht nur meine professionellen Gespräche legen mir nahe, dass es auch andere Menschen gibt, welche diese ersten beiden Strategien nutzen, um in der Komfortzone des Vertrauten zu bleiben. Aber die meisten dieser Menschen, so sie sich nicht vollständig ins phobische Gelände verabschiedet haben, koppeln diese Komfortzonen-Strategien genauso wie ich mit der Traumazonen-Strategie (nein, nicht Traum-Strategie, nicht Traumstrand-Strategie und auch nicht Amazonen-Strategie).
Das Motto: „Was jucken mich diese ganzen Unwägbarkeiten und Risiken? Mich vorbereiten, langsam und klug vorgehen? Ich? Trag‘ ich etwa ein Tütü? Ich springe da rein! Ich kann das. Ich pack das. Ich kann zaubern. Ich bin ein verkannter Held. Ich liebe die Gefahr, das Leben an der Grenze.“
Doch es dauert nicht besonders lange, bis ich herausfinde, dass ich weit weniger zaubern kann und weit weniger heldenhaft bin, als ich ursprünglich dachte. Bisher hatte ich immer Glück und der Löwe hat mich nur leicht mit den Krallen erwischt. Zum Beispiel vor vier Jahren in Kehl. Aber die Verletzungen und die Erfahrung waren doch so beeindruckend, dass ich die Löwenhöhle bis heute gemieden habe.
Es kostet mich Mut und Überwindung, mich in die Höhle des Löwen zu wagen. Aber es ist relativ einfach, dort nur ganz kurz zu bleiben, um mich selbst von der Gefährlichkeit dieser Todeszone zu überzeugen. Bisher blieb immer noch genug Zeit, um ganz schnell wieder das Weite zu suchen und dann die Zone auf ewig zu meiden. Allenfalls in der Phantasie und in den kleinen Alltagsmärchen kehre ich zurück, die ich über tragische Heldenanekdoten meinen Nächsten serviere.
Ausblick: Die Alternative
Ich ahne und behaupte, obwohl ich den Beweis im Bereich Eventmanagement noch antreten muss, dass es einen anderen Weg geben muss, Neuland zu betreten, Erfolg auf dem Weg zu einem bedeutsamen Ziel in diesem Neuland zu haben und dennoch auf allen Ebenen einigermaßen gesund dabei zu bleiben – vielleicht sogar, gesünder zu werden.
Ich möchte diesen möglichen Weg für heute als den Weg des klugen, achtsamen und mutigen (nicht übermütigen) Experimentierens bezeichnen. In den folgenden Artikeln dieser Serie werde ich meine Experimente in der Vorbereitung der kommenden Veranstaltungen in Offenburg zur Veranschaulichung nutzen. Möglicherweise gelingt es mir auch, mit großer Verspätung, mein klägliches Scheitern vor vier Jahren als hilfreiche Lektion zu nutzen.
Ganz Grönemeyer habe ich keine Schmetterlinge, sondern Flugzeuge im Bauch angesichts meiner aktuellen Vorhaben. Aber ich bin wild entschlossen, diesen Flugzeugen, gleich Pinocchio, Leben einzuhauchen. Auf dass aus nervigem Gebrumme, Gerumpel und Geschwirre, liebliches, luftig leichtes Flattern wird. Wie kam das eigentlich, dass diese klappernde und plappernde Holzfigur auf einmal zu einem Jungen wurde? Jemand eine Ahnung?
In der Zwischenzeit ein paar Fragen für Sie
- Welche Vorhaben schieben Sie mit oben beschriebenen Strategien auf die lange Bank, statt diese klug und gelassen anzugehen?
- Welches Anliegen ignorieren Sie ausdauernd, obwohl Sie ahnen und fast schon wissen, dass es wesentlich wichtig für Ihre persönliche und/oder berufliche Entwicklung ist?
- Welches zermürbende Problem sollten Sie anpacken, um so wieder in Tuchfühlung mit Ihren Träumen zu kommen?
- Was machen Sie am 24. November um 19:30 Uhr?
- Wen sollten Sie am 24. November mitbringen oder wenigstens vorbei schicken?
- Wem sollte ich Bescheid sagen, damit er ganz viele Menschen vorbei schickt?
- Wem könnten Sie Bescheid sagen, damit er ganz viele Menschen vorbei schickt?
Darüber hinaus: Wenn Sie eine Idee haben, was ich tun kann, um Menschen Lust auf meine Veranstaltungen zu machen, dann melden Sie sich bitte.
Es ist nämlich eines meiner wesentlichen Ziele, das ist hoffentlich klar geworden, möglichst viele Menschen zu diesen Gelegenheiten zu treffen. Und ich hätte Lust, mal ein bisschen näher an die Ziellinie heran zu kommen.
Jetzt gibt es noch etwas Süßes auf die Ohren: La Boum meets Electro. Plug in your headphones or turn up them speakers. Dis is Casadidadi vs. R.Sanderson „Dreams are my reality“
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