Gestern nachmittag saß ich auf meinem Sofa, hab‘ vor mich hingewütet und mir die flachen Hände gegen den rasierten Kopf gehauen. Klang wie Applaus. War aber keiner. Glücklicherweise konnte ich mich davon abhalten, meinen Kopf gegen die Wand zu klopfen. Ritzen ist sowieso was für Mädels.

Ich werde jetzt nicht so weit gehen und Sie fragen, ob es Ihnen manchmal auch so geht. Ist sowieso unwahrscheinlich. Und à propos „geht“, geht mich das gar nichts an. Und zuletzt wäre es sowieso nur eine rhetorische Finte, denn Sie können gar nicht antworten, wieso mir dann also die Mühe machen.

Vielleicht denken Sie jetzt: „Das ist ja ein ganz schöner Spinner.“ Also wegen der Redewendung und nicht wegen meines Aussehens. Vor allem aber wegen des Spinnens. „Haut der sich doch selbst, wo er buddhstischer Mönch, Coach und was weiß ich noch alles ist. Und dann schreibt er auch noch darüber.“

Vielleicht fragen Sie sich auch, wann ich endlich auf den Punkt komme. Dabei sollten Sie doch langsam wissen, dass das dauern kann und dass es darüber hinaus keinesweges sicher ist, ob es einen Punkt gibt oder nicht. Es sei denn, Sie sind das erste Mal hier. Dann sollten Sie das PRODUKTIV MAGAZIN abonnieren.

So etwas Ähnliches wie mein Tagwerk

Einen Anlass gab es. Für mein Ausrasten. Also etwas, das in meiner Welt ein Anlass ist. Vermutlich kennen Sie so etwas gar nicht in Ihrer Welt. Ich war verzweifelt. Gewissermaßen. Über mein Tagwerk.

Das bestand im Entwurf dieses Blogartikels, der natürlich anders anfing als jetzt, denn diese Einleitung schreibe ich ja erst nach dem großen Selbstverletzungsversuchsdrama.

Was sollte denn mit diesem unzusammenhängenden Geraffel anzufangen sein? Wie würde dieser erneute Rundflug über meine alltäglichen Eskapaden und wie würden meine Reflexionen über Schreiben, Marketing und Schlagmichtot zu meiner aktuellen Kampagne und Geschäftsstrategie beitragen? Gar nicht natürlich. Was auch daran lag, dass die Geschäftsstrategie mal wieder auf ziemlich wackeligen Füßen stand.

Was mich zum zweiten, erbärmlichen Teil meines Tagwerks führt. Einem Blogartikel über die miesen Anforderungen, die das Leben an mich stellt, aufdass ich meine Potentiale entfalte.

Wie konnte ich die Frechheit besitzen, einen ganzen Artikel über mich zu schreiben? Wie kann ich die Frechheit besitzen, diesen nächsten Artikel über mich zu schreiben? Wieso schreibe ich die ganze Zeit über mich, wo ich mich doch mit Ihnen und Ihren Anliegen auseinandersetzen sollte – so die Experten? Und noch schlimmer: Wieso tut sich ein wahnwitziger Abgrund auf, wenn ich etwas anderes probiere oder nur daran denke, etwas anderes zu probieren?

Aber das war noch nicht alles. Ich war darüber hinaus verzweifelt über meine Standardbaustelle: Multi-Projektmanagement. Oder doch eher über meine wiederkehrenden Versuche, meinem Temperament ein Schnippchen zu schlagen und meinen Multi-Projektmanagement-Anforderungen zu entkommen.

Sie müssen dieses Kauderwelsch jetzt nicht verstehen. Das soll mal ein eigenes Buch werden. Aber Sie sehen ja, wohin das ganze führt: Ich versuche meinem Temperament ein Schnippchen zu schlagen und am Ende schlage ich mich selbst.

Um in diesem erneuten textlichen Chaos noch einen letzten Rest von klitzekleiner Übersicht zu wahren, habe ich den zuletzt genannten zweiten Ausrastanlass in oben genanntem Blogartikel abgearbeitet. Es bleibt unsicher, was Sie von diesen Textergüssen haben. Und diese Erkenntnis führt uns direkt zu diesem Blogartikel zurück.

Sind Sie noch da? Können und wollen Sie noch folgen?

Nein? Seien Sie meines vollen Verständnisses versichert. Ich wünschte, ich hätte eine Wahl.

Ja? Weiter geht’s.

Ganz schön peinlich

Bringen wir es auf den Punkt: Ich finde die Probleme, vor welche mich mein Temperament stellt, unerträglich und nervtötend. Ich finde weiterhin und ganz konkret meine letzten Blogartikel durch und durch peinlich:

– alles dreht sich nur um mich.

Wenn ich der einschlägigen Literatur Glauben schenke und die Expertentipps ernst nehme, dann mache ich gerade alles falsch, was man falsch machen kann. Schon immer eigentlich:

  • „Du musst über das schreiben, was den Leser betrifft, nicht über das, was dich interessiert.“
  • „Es geht nicht darum, was du davon hast, sondern was die Besucher, Leser und Kunden davon haben.“

Selbst diesen Blogartikel hier, kaum habe ich mit dem Schreiben begonnen, finde ich schon wieder peinlich.

Aber ich kann gar nicht so genau sagen, ob ich ihn wirklich, also durch meine Augen betrachtet, peinlich finde, oder ob ich dabei durch die Augen eines anderen schaue und dessen Wertesystem und möglicherweise engstirniges Konzept nutze, um mein eigenes Handeln zu bewerten. Und damit kommen wir zum Kern dieses Artikels.

Um es mit Henri Michaux zu sagen:

„Ein ganzes Leben reicht nicht aus zu verlernen, was du dir, leichtgläubig und unterwürfig, hast in den Kopf stecken lassen, ohne an die Folgen zu denken.“

Meine spontanen Assoziationen dazu lauten Kindheit, Eltern und Schule. Aber ich muss zugeben, dass ich mich seit Jahren mit den Schlaumeiereien anderer indoktriniere. Nahezu freiwilllig. Noch schlimmer: Schlaumeiereien anglo-amerikanischer Provinienz.

Ich bin erwachsen, einigermaßen intelligent und glaube immer noch, irgendjemand könnte mir erklären, was ich nur durch eigene Experimente herausfinden kann.

Dabei hatte alles mal so nett begonnen

Ich bin ein Mann mittleren Alters – auch unter den deutschen Bloggern, fing ich doch 2006 mit dem Bloggen an. Aber das war eigentlich schon die zweite Station. Die erste Station hieß Newsletter und erfreute sich großer Beliebtheit in meinem Bekannten- und Kundenkreis. Das war, bevor ich auf große Selbstbefreiungs- und Professionalisierungsfahrt ging. Danach ging es mit der Beliebtheit und Resonanz stetig bergab.

Ich will nicht noch weiter ausholen und direkt zur Sache kommen. Als ich 2006 mit dem Newsletter anfing, da machte ich einfach, was sich gut anfühlte, was spontan kam und folgte meiner Lust am plaudernden Schreiben.

Erst als ich mich mit dem allumfassenden Wissen der aus dem virtuellen Boden sprießenden Klugscheißer aka Online-Marketing-Gurus auseinandersetzte, die mich zudem permanent über XING mit ihren beschissenen Webinar-Angeboten zuspamen, nahm die Katastrophe ihren Lauf.

Kennen Sie die Nummer mit dem Tausendfüßler, der sich fragt, welches Bein als nächstes dran ist? So geht es mir seitdem. Und in meiner hoffnungslosen Dummheit habe ich konsequent bestätigt, was Albert Einstein so brüsk formuliert haben soll:

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Je verlorener ich mich fühlte und je weniger ich wusste, wie ich mein Blog-und Newsletter-Problem lösen sollte, umso mehr wandte ich mich an jene Experten, von denen ich mich doch erst in die Irre hatte führen lassen.

Ich pfeif auf die Experten

Auch wenn es etwas burschikos klingt, war es selbst für meine jüngste Tochter vor einigen Jahren wichtig, wesentlich und hilfreich, sich eine grundlegende Haltungsoption zu erschließen: „Scheiß drauf!“

Es scheint mir klug, die große Horde der vermeintlich Wissenden zurate zu ziehen, wenn ich nach der Lösung für ein Problem suche. Wenn ich dort allerdings nicht fündig werde, was weit häufiger der Fall ist, als ich mir in meiner Expertenhörigkeit eingestehen möchte, dann wird es Zeit, die „Experten“ hinter mir zu lassen, meiner inneren Stimme zu folgen und handfeste Experimente zu wagen, die mich mit echten, konkreten Rückmeldungen versorgen. (Langer Satz, gell? Darin bin ich ganz groß)

Und wenn ich keine Rückmeldungen bekomme? Na, dann wird es Zeit, etwas anderes zu probieren. Gelegentlich auch mal Zeit, mir mit den flachen Händen das Hirn „zu massieren“.

Tatsächlich betrifft die entscheidende Frage weit seltener das Was – in meinem Fall: „Über mich schreiben oder nicht über mich schreiben?“, als vielmehr das Wie. „Wie kann ich meine Erfahrungen, mein Leben zum Anlass nehmen, um allgemeinere Phänomene zu beleuchten, die möglicherweise auch meine Leser, also Sie betreffen könnten?“

Und jetzt zu Ihnen

Wie steht es mit Ihnen?

  • Lassen Sie sich von den Wahrheiten, den Rezepten und Regeln der vermeintlich Lebensklugen in die Irre leiten oder vertrauen Sie auf Ihre eigene Erfahrung und Ihr eigenes Gefühl?
  • Fühlen Sie sich sicher auf den ausgetretenen Pfaden und sind dennoch bereit, das Leben mit mutigen Experimenten auf die Probe zu stellen?
  • Sind Sie bereit, die vermeintlichen Abkürzungen aufzugeben, für die sich die vermeintlichen Experten so teuer bezahlen lassen, wenn sich diese als Sackgasse oder Monsterumweg erweisen?
  • Trauen Sie sich direkt in die vermeintliche Problemhölle, um ganz eigene Erfahrungen zu sammeln und Erkenntnisse zu gewinnen, die nur Sie finden können?
  • Weniger, um das Rad neu zu erfinden, als vielmehr um Ihre ureigene, lustvolle und geschmeidige Fortbewegungstechnik zu kultivieren?

Nein? Dann empfehle ich Ihnen alles, was ich zur Zeit zum Thema „Probleme gelassen nutzen“ anbiete.

Ja? Dann empfehle ich Ihnen dasselbe. Aufdass Sie leichtfüßige Techniken maßgeschneiderter Problemlösung kennenlernen.

Was machen Sie eigentlich am 24. November abends?


Wenn Sie sich wundern, warum ich die ganze Zeit über mich selbst schreibe, dann hier die Kurzfassung:

Ich weiß nichts über Sie oder sonst jemanden. Und selbst wenn ich Sie ganz besonders gut kennen würde, dann wüsste ich vor allem, was ich über Sie denke und kaum etwas darüber, wer Sie sind, was Sie bewegt und was Sie brauchen. Ich schreibe über mich, weil ich an mir selbst nah genug dran bin und so weniger Gefahr laufe, in irgendeinem Anfall von anmaßender Verirrung meinen Kram auf Sie und die Allgemeinheit zu projizieren.

Vielleicht haben Sie Lust, auf das zu achten, was bei Ihnen ausgelöst wird, während Sie lesen. Auf das, was bei Ihnen Resonanz und Dissonanz auslöst. Vielleicht erkennen Sie sich an der einen oder anderen Stelle wieder, selbst wenn ich ein ziemlich schräges Beispiel für das jeweils Beschriebene abgebe und der Vergleich Sie schrecken mag.

Ich bin dabei so (un)wichtig, wie jedes andere Anschauungsobjekt: als Mittel zur Veranschaulichung.


Sie waren einmal mehr tapfer (ich zähle ca. 1550 Wörter), deshalb kommt hier noch etwas für die Ohren. Plugin your headphones or turn up them Speakers. This is a reggaemashup of Cypress Hill and Fugees vs Prophet rides again Riddim (Remix By J.A.R).

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Author Lazy Moe

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