
Lunatico (YouTube/Mixcloud). Eine Katastrophe. Bin fast im Stehen eingeschlafen. Am Abend zuvor…
Die Show zu produzieren war mühsam. Die Musik trotzdem schön. Die Fragen im Raum:
- Darf man lateinamerikanische Musik spielen und dabei im Stehen schlafen?
- Darf man das auch, wenn einen besorgte Mitmenschen möglicherweise für lebensmüde halten, während man einfach nur müde ist?
- Darf mir egal sein, was andere denken, während ich einfach das mache, was dran ist, egal wie ich dabei aussehe?
Und der USB Hub… Alter. Die USB Verteiler Büchse. Kackt mitten in der Show ab. Ich habe mich echt ein bisschen aufgeregt. Vor laufender Kamera.
Schon wieder so ein Teil, das nicht zuverlässig funktioniert.
Obwohl ich das billigste gekauft habe, die ARLT, mein IT-Shop der Wahl, hier in Karlsruhe im Angebot hatte.
Unglückliche Soja-Pflanzen
Jetzt wache ich auf. Brutal kurze Nacht. Vier Stunden.
Ab und zu geht das.
Donna Quichotte muss in die Klinik. Ich bringe sie hin. Wie könnte ich sie nicht bringen wollen?
Und sie lässt mich.
Kluges Mädchen.
Die kalte Dusche fegt den Schlaf aus den Gliedern. Rasieren vergessen. Nachgeschoben. Dann halt mit dem Waschlappen nach wischen.
- Müsli mit Körnern, Heidelbeeren und Soja-Joghurt. Testlauf.
- Das Zeug besteht nur mit viel Zimt.
- Das nächste Produkt steht schon in der Test-Pipeline.
Möglicherweise liegt das Problem im Kontrast zwischen Gewohnheit, fetter griechischer Joghurt von unglücklichen Kuhmüttern, versus neue Erfahrung, ALDI Süd-Joghurt von unglücklichen Soja-Pflanzen.
Die üblichen Probleme
Ein Problem wie viele Probleme des Lebens: Symptome unserer Durchgangs-, Veränderungs- und, das kapieren wir oft nicht, Entwicklungsbewegungen.
Entwicklungen, die echten, sind ja oft beides: wertvoll und unbequem.
Und manchmal kann dieses „unbequem“ auch ein Euphemismus für „wirklich schmerzhaft“ sein. Eine Mutter im Wochenbett sagt nachher auch nicht „Yo, das war ein bisschen unbequem.“
Die Schmerzen sind eine Investition in spätere Lebensqualität. Manchmal brauchen wir auch bei den Kindern einen Moment, um das zu verstehen. Der Schmerz ist der Preis. Der nachhaltige Zugewinn an Lebendigkeit und Lebensqualität der Lohn.
Hier geht es um die Entwicklung hin zu einem höheren Maß an Integrität: Ich kann besser mit unglücklichen Sojapflanzen als mit unglücklichen Muttis junger Kälber leben.
Und das Unglück des Sojas werde ich auch noch abschaffen. Donna hält mir bereits virtuell die Tür zum Bio-Discounter auf. Danke dafür!
Urlaub in der eigenen Stadt
Zeug packen. Das ist schwierig, wenn ich unausgeschlafen bin. Sonst fliege ich mit verbundenen Augen durch die Wohnung und sauge das Zeug beim Überflug in den Rucksack.
Wenn der Schlaf fehlt versagt mein Ultraschall-basiertes Steuerungssystem. Außerdem fühlt es sich dann an, als wären meine Flügel Opfer der Havarie eines Öl-Tankers geworden.
Donna Quichotte braucht eine 24 Stunden-Betreuung. Ich mach das liebend gerne. Komm dann aber nicht da weg im Laufe des Tages und der Nacht. Eine Gefangenschaft, die mir sicher zuträglich sein wird.
- Analog-Material für die Supervision mit einem Team später befördere ich in meinen Rucksack.
- Post-Its – bis vor kurzem noch mein Ein und Alles.
- Jetzt mein Nein und Lass es.
Meinen Laptop und den Bildschirm brauche ich heute gefühlt nicht. Auch, weil es um Gefühle gehen könnte. Aber ich werde mich geirrt haben. Das weiß ich allerdings noch nicht.
Unterwegs brauche ich den Laptop immer. Öfter. Jetzt habe ich ihn auf den Knien. In der Straßenbahn. Vorübergehend. Dann im Zug.
Denke an meinen neuen Dokumentationsauftrag. Fotos machen. Das Laptop-auf-den-Knien-Bild wird ein Standard bei diesen Bildern werden. Der Blick aus den fahrenden Schienengefährten auch.
Analog Schiss haben
Vor dem Analogen haben die Team-Mitglieder ein bisschen Schiss, glaub ich. Ich auch.
Arbeit an intensiven Beziehungsthemen steht im Raum. Die Beziehungsebene auf die persönlichen Befindlichkeiten zurückführen. Und an die Sachebene ankoppeln. Ruth Cohen kommt also mit. Wir treffen das Team „zu zweit“.
- Die Rollen. Der Auftrag des Team. Die Konstellationen.
- Projektion. Übertragung und Gegenübertragung. Leben und Navigieren am Rande der Flow-Zone.
- Mit einem Fuß in der Überforderung. Mit dem anderen im Abschalten des Bindungssystems.
Solche Arbeitshypothesen flattern durch mein System.
Churchill hat es militärisch gesagt mit Plänen, Feindkontakt und so weiter. Sein Landsmann Lennon war da friedlicher unterwegs. Konnte es sich auch leisten. Er war später dran. Und hatte andere Verantwortungen.
„Leben ist das, was passiert, während du andere Pläne schmiedest.“
Und jetzt am Morgen in der Bahn dämmert es mir: Der USB-Hub war nicht schuld. ARLT auch nicht.
Kann man ja mal vergessen.
Hatte das Teil vor einer Weile mit dem Heißkleber an meinen Radiopult geflanscht. Jetzt war es da falsch. Also habe ich es wieder weggeflanscht. Unsauber. In einem geschäftigen „schnell-jetzt-gleich-muss-es-hier-losgehen-Flow“.
Das Gehäuse hat sich dabei leicht zerlegt. Dachte, das sei kein Problem. Falsch gedacht.
Abstrakte Andeutungen
Über das Treffen beruflicher Natur kann ich wenig veröffentlichen. Abstrakte Andeutungen, die in die konkrete Arbeit, in den echten Austausch, die echte innere Bewegung einladen wollen. Und es doch kaum können.
Andeutungen, die mit Einsteins Gedanken kokettieren. Die Lösung der Probleme liegt möglicherweise nicht dort, wo sie entstanden sind. Auch nicht dort, wo sie in der inneren Verhandlung oft abgebildet werden.
Die Beziehungsebene scheint so naheliegend. Geradezu verführerisch.
Und doch geht es oft um unsere innere Bewegung. Die Art, wie wir uns im Umgang mit Anforderung und vertrauten Beziehungsangeboten innerlich organisieren. Ob wir Spielräume wahrnehmen können. Ob wir uns trauen diese zu nutzen.
- Auch wenn dabei eben auch etwas wirklich Kostbares auf dem Spiel zu stehen scheint. Manchmal gefühlt das ganze Leben.
- Auch, wenn wir da mit Schmerzen und gefühlten Bedrohungen in Berührung kommen, die unter dem Rausch und Rauschen gegenwärtiger Dramaturgie liegen.
- Auch, wenn wir nicht immer sehen und spüren können, wie wir uns hier weniger verausgaben als im vertrauten Terrain.
Und oft geht es auch darum, wieviel Raum und Aufmerksamkeit wir der echten Sache schenken. Nicht dem Drama, das Betroffene und Beteiligte so geübt hervorbringen.
Dem dahinter liegenden Anliegen. Jenem, das vor, hinter und an verschiedenen Orten rund um den prominenten Krisenherd existiert.
Das ruft auch gelingende und an Gelingen orientierte Protokolle, Abläufe und Prozesse auf den Plan
- Groove in der professionellen Kommunikation.
- Ein Gespür für die Beats per Minute.
- Den Puls, der Tanzen möglich machen könnte, wo der aktuelle Beat gerade noch zum Lungern am Rande der Tanzfläche verpflichtet.
Es wird emotional. Es wird menschlich. Dann bin ich auch schon wieder auf dem Rückweg.
Gemütlich unterwegs
Starkregen auf der A5. Ich habe Zeit.
Des Mädle wird vermutlich noch operiert. Oder wacht langsam wieder auf. Gemach, gemach.
So ist dann auch das Wiedersehen:
- Gemächlich
- Gemütlich
- Warm wie die Bretzeln bei Silvia und Uwe
In der Backstube. Früher. Wenn ich am frühen Morgen vom Tanzen zurückkam.
Dann verläuft der Tag sich weiter gemütlich. In sich selbst geborgen. Die ganze verletzlich schöne „Angelegenheit“.
Wind in der Wohnung
Das Abendessen gibt sich komplizierter als es am Ende ist. Pilzrisotto mit grünem Spargel. Und die Rhabarbertorte baut sich erst selbst. Dann isst sie sich selbst auf.
Wir wohnen bei. Dankbare Zeugen.
Und wie immer hier in dieser wundervoll windigen Wohnung.
Kein Winden.
Einfach Momente, die sich geschmeidig verbinden.
Keine Abwehranlässe.
Also verschiebt das mager besetzte Team meiner inneren Kaserne das komplette Arsenal an Abwehrmechanismen in den Hangar.


